Digitalisierung im Gesundheitswesen: Deutschland ist Schlusslicht

Digitale Innovationen im Gesundheitssystem, wozu auch der Einsatz moderner IT gehört, können entscheidend zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung beitragen – das wird heute kaum noch bestritten. Sowohl für Patienten als auch für Ärzte, Krankenkassen und andere Teilnehmer des Gesundheitswesens bedeuten digitale Lösungen Qualitätssteigerung, höhere Sicherheit, wirtschaftliche Effizienz und Nachhaltigkeit. Zahlreiche Studien und Beobachtungen, vor allem im internationalen Kontext, zeigen dies auch. Um die Digitalisierung vorantreiben zu können, müssen jedoch die richtigen nationalen Rahmenbedingungen bestehen. Wie es dabei um Deutschland bestellt ist, hat die aktuelle Studie #SmartHealthSystems der Bertelsmann Stiftung untersucht. Sie zeigt, dass Deutschland bezüglich E-Health im Vergleich zu anderen Ländern weit hinten liegt: Im eigens entwickelten Digital-Health-Index, der auf Grundlage von 34 Indikatoren zu Strategie, technischer Ausstattung, digitalem Reifegrad und tatsächlichem vernetzten Gesundheitsdatenaustausch den Digitalisierungsstand des nationalen Gesundheitssystems von 17 EU- und OECD-Ländern bewertet, belegt Deutschland Platz 16. An der Spitze stehen laut Bertelsmann-Studie Estland und Kanada. Eigentlich befindet sich das Thema E-Health aber schon lange auf der politischen Agenda in Deutschland.

Bereits 2003 gab es Pläne für die Entwicklung einer elektronischen Gesundheitskarte. Angestoßen durch über 100 Todesfälle aufgrund der Einnahme eines Cholesterinsenkers in Kombination mit einem anderen Medikament, sollten mögliche Wechselwirkungen von Medikamenten in Zukunft frühzeitig erkannt werden – indem die Medikation eines Patienten von jedem behandelnden Arzt einsehbar wäre. Doch die digitale Vernetzung ist kompliziert und umfangreich. Die meisten Daten im Gesundheitswesen werden immer noch in verschiedenen Systemen oder auf Papier übermittelt. Diesbezüglich sind andere Länder deutlich weiter: Seit einigen Jahren werden die wichtigsten Patientendaten in manchen Ländern in elektronischen Akten gespeichert und sind digital einsehbar. Auch Ferndiagnosen und Fernbehandlungen per Video – Stichwort Telemedizin – sind andernorts Gang und Gäbe. In Israel geht die Digitalisierung sogar so weit, dass Künstliche Intelligenzen zur Krebsfrüherkennung eingesetzt werden.

Mit dem 2016 in Kraft getretenen E-Health-Gesetz (Gesetz für sichere digitale Kommunikation und Anwendungen im Gesundheitswesen) wurde erneut der Anstoß zum Ausbau der Digitalisierung im Gesundheitswesen gegeben. Formal besteht seitdem ein Fahrplan für die Etablierung von Digital Health in Deutschland. Kernbestandteil des Gesetzes ist die sogenannte Telematikinfrastruktur, also die digitale Infrastruktur für das Gesundheitswesen.

Das Fazit der Bertelsmann-Studie ist eindeutig: Das Potenzial der Digitalisierung wird erkannt, auch an Technologien oder Innovationspotenzial mangelt es nicht. Stattdessen fehlt eine effektive Strategie und entschlossenes Handeln seitens der Politik. Länder, die bezüglich E-Health erfolgreich sind, würden diese Bedingungen erfüllen, zeige die Analyse der Stiftung.


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